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    Ein Beitrag von Lysann Windisch

    Von links: Rebecca, Ahoj-Schatzmeisterin 2015, die dieses Jahr die Redaktionsleitung bei goEAST übernahm mit Lysann, der Textautorin.

    Wiesbaden besitzt um die 275.000 Einwohner, ist Landeshauptstadt von Hessen und eines der ältesten Kurbäder Europas. Ahja. Wer hätte gedacht, dass hier einmal das größte deutsche Festival des mittel- und osteuropäischen Films beherbergt wird? Wikipedia ist dies nur eine kleine Randnotiz wert, und selbst auf der offiziellen Webseite der Stadt ist wenig über das Festival zu lesen. Und doch findet es dieses Jahr bereits zum 16. Mal statt. Auf dem Festivalfragebogen an das Publikum fällt mir die Frage auf, wie verankert man das Festival im Raum Wiesbaden sieht. Also warum gleich noch mal Wiesbaden?

    Das goEast-Festival schreibt sich auf die Fahnen, „tief im Westen“ die Vielfalt und den Reichtum des mittel- und osteuropäischen Kinos stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Bis Ende der achtziger Jahre konzipierte das Deutsche Filminstitut im Auftrag der Bundesregierung osteuropäische Filmwochen und schickte sie auf Tournee durch die Republik, um so Blicke hinter den Eisernen Vorhang zu ermöglichen. Nach Gründung des goEast im Jahre 2001 nahm sich das DFI jedoch mehr vor: Ein echter kultureller Dialog und Austausch sollte initiiert werden. Die Dialogfunktion zwischen Ost und West, insbesondere für den Branchennachwuchs, scheint der derzeitigen Festivalleiterin Gaby Babic, besonders wichtig: Bereits 3 Förderprojekte zum Vernetzen, Austauschen und Weiterbilden von NachwuchsregisseurInnen wurden ins Leben gerufen. Und nicht nur das: Auch wurde dieses Jahr ein eigenes Forschungsbuch herausgegeben, welches auf dem Festival präsentiert wird. Aus dem letztjährigen goEast-Symposium, das sich der polnischen Neuen Welle widmete, entstand nun der Sammelband „Nouvelle Vague Polonaise? Auf der Suche nach einem flüchtigen Phänomen der Filmgeschichte“. Wirklich sehr lesenswert.


    Aber genug von Politik und Theorie, hier sollte es doch um Filme gehen?!

    Die Vielfältigkeit des Programms beeindruckt: Über 140 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 25 Ländern werden an 7 Festivaltagen gezeigt… wow. Schwerpunkt des diesjährigen Festivals ist das ‚Genrekino Ost‘ – ein spannender Begriff, wie ich finde. Zweiter Fokus ist das so genannte Othering, was schon schwieriger zu greifen ist. Rund 20 Filme kritisch-engagierter Filmemacher beleuchten hier unter dem Titel „Wir und sie? Vom Anderssein und Andersmachen“ unterschiedliche Erscheinungsformen sozialer Diskriminierung – ein besonders wichtiges Thema, wie mir im Angesicht der derzeitigen besorgniserregenden Entwicklungen in vielen europäischen Staaten erscheint. Die Polen kommen im diesjährigen Filmprogramm auch nicht zu kurz: Die Werkschau widmet sich Juliusz Machulski, einem der erfolgreichsten polnischen Regisseure der vergangenen 35 Jahre und Andrzej Wajdas 60. Geburtstag wird mit einer kleinen Retrospektiv geehrt.

    Aber jetzt genug im Katalog gestöbert, schnell los zur ersten Filmvorführung, was gleich mein Highlight werden sollte: Der Musical-Horror-Märchenfilm Córki Dancingu / Sirenengesang von Agnieszka Smoczyńska aus dem internationalen Wettbewerb. Zwei Meerjungfrauen räkeln sich in zarten Pastelltönen zu wunderschöner Musik an der Weichsel. Was will man(n) mehr? Aber halt, so einfach ist es dann doch nicht. Wild zwischen den Genres hin- und herwechselnd entspinnt sich eine sinnliche Coming-of-Age-Story mit allem, was dazugehört: Liebe, Hass und der Suche nach dem Wesentlichen, nämlich Menschlichkeit. Selbst die Fischschwänze der hübschen Hauptdarstellerinnen sehen echt aus. Alles in allem wirklich fantastycznie!

    Und ebenfalls die perfekte Einstimmung auf die Festivalparty, die auf einem alten Schlachthofgelände stattfindet und ungefähr so aussieht: Kostenlose Moskovskaya-Shots am Eingang, tanzwütige Festivalgäste aus aller Herren Länder, ein Lubliner DJ mit einem waghalsigen Mix aus Bucovina Club, Jay-Z und polnischen Schlagern, der ziemlich einheizt, go go go…East. Man fragt sich, was hier mehr fließt: Wodka oder Schweiß? Aber mal ehrlich, so sollten einfach alle Festivals gefeiert werden!

    2. Tag, 5 Grad, Regen – perfektes Kinowetter und Wiesbaden zeigt mir erneut seine charmante Seite, als es mich in das schönstes Kino Deutschlands (ich kann das sagen, denn ich arbeite selbst in einem!), der Caligari Filmbühne, (ent)führt. Dieses Lichtspielhaus kompensiert: Passiert auf der Leinwand nichts Spannendes, so bestaune ich einfach die Kinowände. In den gemütlichen Sesseln des Caligaris sehe ich den russischen Dokumentarfilm CHUZHAYA RABOTA / FREMDE ARBEIT über das Schicksal eines tadschikischen Schauspieler, der in Moskau zum „Gastarbeiter“ wird, und den kanadisch-bosnischen Spielfilm THE WAITING ROOM über einen emigrierten Schauspieler, den in Toronto das gleiche Schicksal ereilt. Und so unterschiedlich diese beiden Erfahrungswelten sind, so überraschender erscheinen einem doch die ähnlichen Thematiken.


    Am Abend folgt für mich der zweite polnische Beitrag des internationalen Wettbewerbs: CZERWONY PAJĄK / DIE ROTE SPINNE, das Spielfilmdebüt von Marcin Koszałka. Ein zuweilen verstörendes Porträt eines Serienmörders und seinem ungeahnten Widersacher im Polen der 60er Jahre. Der sympathische 25-jährige Hauptdarsteller Filip Pławiak ist zu Gast und gibt erheiternde Einblicke in die Dreharbeiten.



    Am letzten Festivaltag dann noch der tschechische Wettbewerbsbeitrag Nikdy nejsme sami / WIR SIND NIE ALLEIN von Petr Vaclav. Darf man hier Komödie sagen? In jedem Fall bleibt einem öfters das Lachen im Halse stecken und einige Bilder haben sich wohl für immer in mein Gedächtnis eingebrannt. So absurd, traurig und komisch zu gleich, wie oft nur tschechisches Kino sein kann. Und doch ist Titel und Botschaft des Films so klar und ausschlaggebend für unsere Welt!

    Ach Wiesbaden, du steckst voller Überraschungen – dank dem großen Sponsoringpartner Skoda wird hier selbst der Marktplatz zum Autokino unfunktioniert. Es gibt also noch viel zu sehen und viel zu entdecken. Immer dem Zeichen nach > > >


    Lysann

    Nach dem Abi im EFD in den wilden Osten abgehauen (Lublin ist und bleibt immer noch die schönste Stadt von Polen), um einen ihr völlig unbekannten Teil der großen weiten Welt kennenzulernen – so dem Charme von Osteuropa erlegen und seither engagiert, dessen Kunst und Kultur zu verbreiten (besonders im Land der CSU-Wähler), seit 2008 aktiv bei Ahoj Nachbarn.

    Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Ahoj-Ausflug von Natalia. Permanenter Link des Eintrags.

    Über Natalia

    Natalia Garbacz Nachdem sie 2004 ihr familäres Nest in Warschau verließ, brach sie nach Deutschland auf. Sie nahm ein Studium der Theaterwissenschaften in Erlangen auf, welches sie später in München abschloss. Den Ahoj-Nachbarn-Verein nahm sie von Nürnberg nach München mit und ist seither grenzenlos stolz darauf, dass er Schöpfer solch toller Projekte wie dem polnischen Filmfestival Cinepol oder des osteuropäischen Stadtführers Ahoj Minga geworden ist. Ehemalige Vorsitzende des Vereins Ahoj Nachbarn (2007-2013, 2013-2015).

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